
Die Pest in der Geschichte Große
Pestzüge Die Pest in der Antike Die erste überlieferte Pestepidemie in der
Geschichte der Antike war die „Pest des Justinian“. Sie ist nach dem
byzantinischen Kaiser Justian I. benannt. Diese langanhaltende Epidemie, die
sich über weite Teile des Ost- und Weströmischen Reiches erstreckte, dauerte
vom 6. Jahrhundert n.Ch. bis zum 8. Jahrhundert n.Ch. Der Ursprung der
Seuche soll in Ägypten gewesen sein. Dies wurde in alten Schriften von
Prokop von Cäsarea überliefert. Er schrieb: „ (Dass sie) auf ihrem
Schreckenszug niemanden (verschont hat). [...] Keine Insel, keinen
Berggipfel, wo Menschen ihre Heimstätte hatten.“ (aus VASOLD 2003). Dies
bringt zum Ausdruck, wie schrecklich die Pest gewütet haben muss. Sie
breitete sich dann von der Ägyptischen Hafenstadt Alexandria entlang des
Mittelmeeres aus. Dabei wurden auch Länder wie Syrien und Teile Nordafrikas
nicht verschont. Die Stadt Byzanz wurde schließlich im Frühjahr erreicht.
Byzanz war damals die Hauptstadt des Oströmischen Reiches und soll in den
Jahren nach 540 n.Ch. ungefähr 300.000 Einwohner gehabt haben. Prokop
schilderte die Symptome und Auffälligkeiten der Kranken: „Dabei war der
Körper bei einigen Menschen mit linsengroßen, schwarzen Blasen überseht und
die Kranken lebten keinen einzigen Tag mehr.“ (aus VASOLD 2003). Diese
Symptome könnten auf die Beulen hinweisen. Außerdem beschrieb er noch andere
Symptome, die ebenfalls auf die Seuche hinweisen, diesmal auf die
Lungenpest. Schon zu dieser frühen Zeit erkannte Prokop einige Symptome der
Krankheit. In der ganzen Stadt herrschte Angst und Schrecken. Keiner verließ
mehr sein Haus, bis es schließlich zu Hungersnot kam. Die Versorgung an
Getreide riss ab, denn keiner ging mehr arbeiten, aus Angst zu erkranken.
Gleich nach dieser schrecklichen Epidemie wurde das Byzantinische Reich in
der Mitte des 8. Jahrhunderts nochmals von der Pest heimgesucht. Bei
dieser schweren Seuche sollen ganze Familien ausgelöscht wurden sein. Wie
viele Menschen damals der Pest zum Opfer gefallen sind, kann man bis heute
nicht genau sagen. Angaben von früher kann man dabei nicht vertrauen, da die
Menschen ein ganz anderes Verhältnis zu Zahlen hatten. Heute geht man
ungefähr davon aus, dass in der Zeit von 541 n.Ch. bis 544 n.Ch. ein Fünftel
bis ein Viertel der Einwohner gestorben sind. Bis zur Mitte des 8.
Jahrhundert ist die Bevölkerungszahl im Mittelmeerraum wohl um die Hälfte
gesunken. Die Europäische Pestepidemie im Spätmittelalter Als die
schreckliche Pest im Byzantinischen Kaiserreich schon fast wieder vergessen
war, brach der nächste fürchterliche Seuchenzug los. Diesmal suchte er um
1347 bis 1353 ganz Europa heim. Woher der „Schwarze Tod“ diesmal kam, weiß
man nicht genau. Aber alles spricht dafür, dass der Herd der Seuche in den
menschenleeren Steppen Innerasiens lag. Die Pest war dort schon lange unter
den dort hausenden Nagetieren eine weit verbreitete Krankheit. Träger des
Pesterregers waren vor allem die in den Steppen Innerasiens lebenden Bobaks
und Steppenmurmeltiere. Bobakfelle waren zu dieser Zeit eine sehr begehrte
Handelsware. Deswegen zogen Pelztierjäger in die Steppen um die Bobaks zu
jagen. Dort infizierten sie sich dann mit der Pest. Sie nahmen die Felle mit
in die Städte Chinas. Dort gab es sehr viele Ratten, die sich auch an den
Fellen infizierten. Diese Ratten übertrugen das Bakterium weiter auf andere
Menschen. So verbreitete sich die Seuche rasend schnell. Die Pest reiste
dann mit den Karawanen der Händler durch die Weiten Asiens bis zu den
Mongolen, die dann in Folge von Kriegszügen in Richtung Westen gingen. 1347
belagerten die mongolischen Krieger die Stadt Kaffa am Schwarzen Meer. Dort
wurde die Pest auch das erste Mal als „Biowaffe“ eingesetzt. Man
katapultierte die Pestleichen in die besetzte Stadt, um die in der Stadt
befindlichen Soldaten zum Aufgeben zu zwingen. Aber plötzlich zogen sich die
Mongolen ohne Grund zurück. Zurück blieben Tausende Tote durch die Pest. Aus
Panik verließen 12 Galeeren die Stadt. Sie fuhren in Richtung Mittelmehr. Im
September 1348 erreichte die Pest Kairo. Wie immer wurden die Zahl der Opfer
dort weit übertrieben, es wurde von 20.000 Toten am Tag berichtet. Dieser
Zahl kann man natürlich keinen Glauben schenken. Man weiß nur, dass der
Textilindustrie schnell die Arbeiter fehlten. Auch die Gegend im „Goldenen
Halbmond“, heute in Westsyrien, meldete drastischen Bevölkerungsrückgang.
Der Ausbruch in ItalienIm Herbst 1347 brachten die Galeeren die Pest nach
Italien. Nach dem Eintreffen der Schiffe breitete sich die Pest dort rasch
aus. Vor allem die großen Städte hatten große Verluste zu beklagen. Florenz
soll fast die Hälfte seiner 100.000 Einwohner verloren haben. Auch in
Venedig soll jeder zweite Einwohner gestorben sein. Ein zeitgenössischer
Historiker berichtete: „Die Merkmale dieser so schrecklichen Pest sind
Drüsenschwellungen, die im Leistenbereich oder unter den Achseln aufbrachen,
[...]. Diese Symptome waren mit unerträglicher Fieberhitze und extremer
Müdigkeit verbunden.“ (aus VASOLD 2003). Er schrieb außerdem noch, dass
die Pest bei Frauen stärker als bei Männern und bei Kindern stärker als bei
Alten gewütet hat. Es gibt noch viele andere Quellen aus dieser Zeit und
alle stimmen ungefähr überein. Alle berichteten, dass es schon reicht mit
jemanden zu sprechen, um sich anzustecken. Außerdem gaben viele Quellen den
Hinweis auf das Sterben in zwei oder drei Tagen und den Bluthusten der
Betroffenen. Die Menschen erklärten sich das Auftreten der Pest mit dem Zorn
der Götter, den sie erweckt haben sollen. Nirgendwo ist über diese erste
Pestepidemie stärker und umfassender berichtet worden als in Italien. Das
kann vielleicht daran liegen, dass die Seuche in Italien besonders heftig
war und tiefe Einschnitte in das Leben der Bevölkerung nahm. Italien hatte
für die Pest auch ein sehr günstiges Klima, was die Stärke der Seuche
begründet. Die Sommertemperaturen waren sehr hoch und das Mittelmeerklima
liefert die Feuchtigkeit. Man weiß aber nicht, ob es auch noch eine andere
Infektionskrankheit gegeben hat, die auch für das Massensterben
verantwortlich sein konnte. Es gibt zwar keinen Zweifel, dass die Pest
grassierte, aber es gibt auch einige Indizien, dass zusätzlich noch
Milzbrand aufgetreten ist. Einige Jahre vor der Pest gab es auch schon ein
ungeklärtes Massensterben, nämlich 1339/1340. Also könnten noch Erregerherde
bestanden haben. Außerdem wurde berichtet, dass auch Tiere infiziert waren
und gestorben sind. Heute weiß man, dass Tiere gegenüber der Pest
unempfindlich sind. So kann es sein, dass es noch eine weitere Seuche
gegeben hat.
Die Ausbreitung der Seuche nach Norden und Nordwesten Italien war nur die
erste Station der Seuche, die sich immer weiter nach Westen ausbreitete. Als
erstes betroffen, war die Stadt Marseille, wovon sich die Pest dann weiter
nach Lyon und Toulouse ausbreitete. Von dort aus ging es dann immer weiter
in nördlicher Richtung. In Frankreich breitete sich die Pest relativ langsam
aus, einige Gebiete blieben sogar erst einmal verschont. Die Britischen
Inseln und somit auch England waren etwa gegen Jahresmitte 1348 betroffen.
Sie gelangte offenbar an mehrere Häfen ungefähr gleichzeitig und verbreitete
sich in das Landesinnere, wobei sie in den sogenannten „Midlands“ stärker
gewütet hat als in den Küstenregionen. Hinsichtlich der
Bevölkerungsschichten hatte der niedere Klerus die meisten Verluste (ca. 40
%) zu verzeichnen und Bischöfe, die meist älter sind, nur etwa 18 %. Die
Gesamtverluste liegen bei etwa ein Drittel der Bevölkerung. Trotz dieser
hohen Verluste gibt es nur wenige Überlieferungen und Hinweise auf die Pest.
Wann und von wo die Pest nach Deutschland kam, kann man nicht genau
nachweisen. Man müsste annehmen, dass das südlichste Territorium im heutigen
Deutschland, also Bayern, zuerst betroffen wurde. Doch die Alpen bildeten
ein Hindernis für den Verkehr und somit auch für die Pestübertragung. Der
wichtigste Weg durch die Alpen war über den Brennerpass, der damals schon
ein oft benutzter Alpenpass war. Vielleicht nahm die Pest zunächst den Weg
westlich der Alpen in Richtung Norden. Eine andere Variante ist, dass die
Pest über die Nordsee nach Deutschland kam und sich dort über die Flüsse
weiter in das Innere verbreitete. Es ist sehr schwierig den Weg der Pest in
Deutschland zu verfolgen, da es nur Aufzeichnungen der Städte gibt und keine
vom Land, denn die Mehrheit der Bevölkerung lebte in den Dörfern. Die
folgende Abbildung zeigt die prozentualen Verluste durch die Pest in
Mitteleuropa zur Zeit des Spätmittelalters vom 14. bis 15. Jahrhundert. Die
Zahl der Einwohner Europas ging seit Beginn des 14. Jahrhunderts stetig
zurück. Daran hat aber nicht allein die Pest Schuld, sondern auch Faktoren
wie ein sich verschlechterndes Klima und Hungersnöte. Nach 1470 begann die
Bevölkerung dann wieder langsam zu wachsen, bis Seuchen des Dreißigjährigen
Krieges, vor allem die Pest und Fleckfieber, den Anstieg erneut
unterbrachen. War es wirklich die Pest? Aber war der „Schwarze Tod“ wirklich
die Pest? Oder hat doch eine andere verheerende Seuche Millionen von
Menschen das Leben gekostet. Das wird schon seit langem von Wissenschaftlern
diskutiert. Aber es ist als feststehend zu betrachten, dass im 14. Jh. mehr
als eine Seuche grassierte. Es waren mehrere Erkrankungen, die zu dieser
Zeit wüteten. Wahrscheinlich sind die Ruhr, Infektionen des
Respirationstraktes, Tuberkulose, Dysenterie, Typhus, Grippe, Pocken und
Antoniusfieber. Eine Seuche aber überwogt stark. Das muss, nach neuesten
Forschungen, aber nicht die Pest gewesen sein. Andere Krankheiten wie z.B.
Ebola oder auch Anthrax, wären denkbar. Kein Wissenschaftler kann seine
Theorie zu einer Erkrankung beweisen und die Argumente reichen noch nicht
aus, um ein sicheres Urteil daraus zu schließen. Es ist noch viel Forschung
notwendig, um endgültig zu klären, welche Krankheit die größte Geißel der
Menschheit darstellte. Bis jetzt sprechen die meisten Argumente, vor allem
das Symptom der Beulenbildung, für die Pest. Pestepidemien im 20.
Jahrhundert Man verbindet die Pest zu Unrecht nur mit dem Mittelalter. Sie
war zwar zu Beginn und gegen Ende des Mittelalters in Europa, vom 6. bis 8.
Jahrhundert und vom 14. bis 15. Jahrhundert besonders präsent, blieb aber
auch bis in die Neuzeit im 18. Jahrhundert und an den Rändern Europas sogar
bis ins 19. bis 20. Jahrhundert vorhanden. In anderen Teilen der Welt gab es
sogar größere Epidemien in jüngster Vergangenheit. Aus Europa ist die Pest
seit langem verschwunden, aber weltweit gab es im 20. Jahrhundert noch
Pestfälle. Die Herkunft aus Asien In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
begann sich in Innerasien eine neue Pestepidemie auszubreiten. Die rasche
Zunahme des Weltverkehrs förderte die Ausbreitung in aller Welt. Diese
dritte Pandemie sollte bis zur Mitte des 20. Jahrhundert dauern und rund 15
Millionen Leben kosten. Die meisten Toten hatte dabei Indien zu vermelden,
aber es gab auch 7.000 Tote in Europa, 30.000 Tote in Amerika, davon in den
USA 500. Dampfschiffe samt ihren Ratten beförderten die Pest dann 1899 nach
Europa. In Ägypten, dass die Verbindung zwischen Europa, Asien und Afrika
darstellt, gab es von 1904 bis 1927 über 17.000 Tote. Wenig später gab es
die ersten internationalen Bemühungen sich gegenseitig über die Pest zu
informieren und so die Ausbreitung einzudämmen. 1897 fand eine
internationale Sanitätskonferenz in Venedig statt, eine weitere gab es in
Paris 1903. Um die dort beschlossen Maßnahmen zu überwachen, wurde das
„Office international d’hygiène publique“ eingerichtet, das später zur
Weltgesundheitsorganisation WHO wurde.Die Silvatische Pest In den Steppen
der Mongolei und auch in weiteren Teilen Asiens bieten Murmeltiere dem
Pesterreger einen idealen Unterschlupf. Kleinere Pestausbrüche gab es in
vielen Teilen Südasiens und Afrikas. Im Sommer 1902 gab es in der Stadt
Odessa, am Schwarzen Meer, etliche Pestfälle. Die Kranken gehörten meist zu
ärmeren Bevölkerungsschichten, bei denen es viele Ratten gab. Neue
Mobilität, hier durch die Eisenbahn, begünstigte die Ausbreitung der Pest.
Diese breitete sich entlang der Schienen in Richtung Osten aus. Doch die
Ärzte verwechselten die Symptome der Pest zunächst mit denen des Typhus.
Auch in Indonesien wütete die Pest zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Europäische Mediziner, die zum indonesischen Archipel gingen, fanden heraus,
dass die Bevölkerungsdichte für das Ausmaß einer Pestepidemie gar nicht von
so großer Bedeutung war, wie gedacht. Viel wichtiger für die Verbreitung
sind: die klimatischen Verhältnisse die Zahl der Rattenflöhe die Zahl der
Ratten und die Lebensverhältnisse der Menschen. Klimatische Verhältnisse mit
hohen Temperaturen und Luftfeuchte sind für die Seuche ideal. Sie lassen die
Flohlarven aus den Eiern schneller schlüpfen und somit gibt es mehr Flöhe.
Ein portugiesischer Bakteriologe namens Ricardo Jorge benutzte erstmals den
Begriff „Silvatische Pest“. Dieser Begriff ist allerdings missverständlich,
da diese Pest nicht nur aufgrund der Nagetiere, die im Wald (lat. silva)
leben, sondern auf die Nager in den Steppen im Osten zurückzuführen ist. Die
Beulenpest unter Menschen setzt gewöhnlich ein, wenn die Pest unter den
Ratten gewütet hat. Dann kann es auch zur Lungenpest kommen. Im Jahre
1910/1911 gab es in der Mandschurei eine verheerende Lungenpestepidemie,
wahrscheinlich die Größte, die es je gegeben hat. Die Ärzte haben sie wie
auch in anderen Regionen wieder mit einer anderen Krankheit verwechselt.
Diesmal gingen sie von einer schweren Influenza aus. In Ostasien hörte die
Pest auch nach dem 1. Weltkrieg und dem russischen Bürgerkrieg nicht auf.
Anfang der 1920er fand man heraus, dass die Pest zu ganz bestimmten
Gesetzmäßigkeiten auftritt. In der Mongolei trat die Pest nie im Winter auf,
da die Steppenmurmeltiere und die anderen Nager Winterschlaf halten und sich
die Tiere davor von Parasiten wie Flöhen gereinigt haben. Die Pest von
Indien gelangte 1897 auch in das südliche Afrika. Seit 1914 hat man dort die
Ratten systematisch getötet, um die Seuche zu besiegen. So wurden in den
Jahren 1912 bis 1914 mehrere Millionen Tiere getötet. Aber die Pest
grassierte immer noch in Afrika, vor allem nach dem Ende des 2. Weltkrieges
in Ländern wie Senegal. Die Pest in Europa und Nordamerika Die dritte große
Pestepidemie erreichte von den Küsten Asiens ausgehend auch Nordamerika. In
den USA ist die Pest 1900 gewesen. Der erste betroffene Bundesstaat war
Kalifornien. Auch Naturkatastrophen wie Erdbeben waren für die Pest von
großer Bedeutung. Wenn man zum Beispiel das Erdbeben in San Francisco um
1906 betrachtet, gab es vor diesem Datum maximal 46 Pestfälle pro Jahr. Nach
1906 waren es schon 191. Bis 1940 war die unter den Nagern verbreitete
„Silvatische Pest“ über die ganze westliche USA verbreitet, und 1942
erreichte sie Kanada. Trotz dieser Verbreitung gab es in diesen Gebieten nur
wenige Tote. Selbst Europa war nicht frei von der Pest im 20. Jahrhundert.
Sie trat immer in Folge von Kriegen auf. Im Ersten 1919 gab es mehrere
tödliche Pestfälle in Paris. Außerdem war die Pest in Griechenland, wo sie
viele Leben kostete. Sehr viele Pestfälle gab es auch auf den Azoren und auf
Madagaskar. Die Pest in Deutschland während des Dreißigjährigen Krieges Der
Dreißigjährige Krieg war die furchtbarste Tragödie, die Deutschland je
erlebt hat, vielleicht sogar noch schlimmer als die beiden Weltkriege. Die
Dimensionen von Tod, Terror, Hunger und wirtschaftlicher Not sind
unvorstellbar. Forschungen im 19. Jahrhundert kamen zu dem Ergebnis, dass
nur ein kleiner Teil der Opfer durch Waffen umkamen. Alle anderen,
schätzungsweise mehrere Millionen Menschen, starben an Seuchen. Weite Teile
Europas und nicht nur Deutschlands wurden nach 1630 von der Pest
heimgesucht. Vielleicht war die Witterung daran beteiligt, denn ab 1630 war
es wärmer als zuvor. Die anhalten Kämpfe des schwedischen Heeres fachten die
Feindseligkeit der Länder wieder an. Die umherziehenden Heere begünstigten
die Verbreitung der Seuche.Der Schwedenkönig Gustav II. stieß auf seinem Zug
nach Süddeutschland ungefähr bei Nürnberg auf die kaiserliche Armee
Wallensteins. Daraufhin breitete sich in diesem Raum die Pest aus. Nürnberg
wurde dabei stark in Mitleidenschaft gezogen. Diese Stadt hatte vor dem
Dreißigjährigem Krieg, also um 1620, rund 50.000 Einwohner und im Zeitraum
zwischen 1632 und 1634 starben davon etwa 25.000 Menschen an Seuchen, die
allermeisten an der Pest. Die Jahre 1633 bis 1635 brachten Deutschland die
bisher schwersten Pestjahre. Man konnte sagen, überall wo Heere wüteten, gab
es auch die Pest. In weiten Bereichen Deutschlands gab es auch vor diesen
Jahren schon eine Bevölkerungsabnahme, aber in dieser Zeit waren die
Verluste viel höher einzuschätzen. Bei der Schlacht von Nördlingen, die sehr
umkämpft war, starben Anfang August 1643 rund 350 Soldaten. Aber bald danach
forderte die Pest Tausende Opfer zusätzlich. Seit September bis November
1634 hatte Nördlingen eine sehr hohe Zahl an Verstorbenen. Vor 1634 waren in
jedem Quartal 146 Menschen gestorben, danach waren es neunmal so viel,
nämlich 1549. Zwischen 1627 und 1640 halbierte sich die Anzahl der
Haushalte. Manche Familien starben vollkommen aus. Einige große Städte
Deutschlands verloren ebenfalls die Hälfte ihrer Einwohner und erreichten
die ursprüngliche Bevölkerungszahl erst wieder im 19. Jahrhundert, also mehr
als 200 Jahre später. In Nürnberg, dass im Jahre 1620 50.000 Einwohner
hatte, erreichte diese Zahl erst wieder 1845. Die Bevölkerungsverluste waren
jedoch regional sehr unterschiedlich. Am stärksten waren sie innerhalb eines
breiten Gürtels, der Deutschland von Südwesten nach Nordosten durchzog und
somit Thüringen, Sachsen und Pommern durchlief. Die Pest in Thüringen Die
Pest im Saaletal Im Saaletal trat die Pest erstmals um 1342, zu der Zeit des
Grafenkrieges, aus. Diese Pestwelle hielt ungefähr bis 1345 an. Ein weiterer
starker Pestausbruch war um 1446, zur Zeit des Bruderkrieges. Dieser dauerte
bis 1451. Aus dem Jahr 1542 wurden dann erstmals Zahlen bekannt. In diesem
Jahr starben allein in Jena 900 Menschen an der Pest. Das waren unglaubliche
1/3 der Einwohner Jenas. 1566 wurde das
Saaletal nochmals von
der Pest heimgesucht. In Orlamünde, Kahla und Jena starben 800 Menschen.
Außerdem wütete die Pest sehr stark im 30-jährigem Krieg. In diesem
schrecklichen Krieg starb fast die Hälfte der Bevölkerung. Viele davon nicht
durch den Krieg, sondern durch die Pest. 1628 starben in Löberschütz und
Lindig wieder Menschen an der Pest. Diesmal waren es 88. 1638 wütete die
Pest auch in Hummelshain. Sie brachte diesmal aber „nur“ 47 Tote mit sich.
Dies waren aber immerhin 1/3 der Bevölkerung Hummelshains. Ab dem 17.
Jahrhundert hatte man dann die Pest im Saaletal besiegt. Danach gab es keine
neuen Pestfälle. Die Pest in Erfurt 1682 – 1684 Im Frühjahr 1682 brach die
Pest in einem kleinen Dorf bei Erfurt, in Niederzimmern, aus. Um die
Verbreitung der Seuche zu verhindern, wurde das Dorf militärisch
abgeriegelt. Jedem der das Dorf verlassen wollte, wurde die Todesstrafe
angekündigt. Die folgende Abbildung, eine zeitgenössische Federzeichnung,
zeigt die Wachposten rund um das Dorf. Doch alle Maßnahmen halfen nichts.
Anfang Juli 1682 gab es mehrere Tote in der Krämpfervorstadt. Sie starben an
der Beulenpest. So erreichte die Pest auch Erfurt, wo zu dieser Zeit 16300
Einwohner lebten. Über den Verlauf der Seuche berichtet eine Sammlung von
Briefen, die an den Erzbischof geschrieben wurden. Diese Handskizze von
Baron de Mortaigne zeigt die betroffene Krämpfervorstadt. Heute ist dieses
Gebiet nör

